Fecker: ''Was ist eine Zusage sonst wert?''
Rund 350 Spieler und Spielerinnen aus dem Bereich des Bremer Fußballverbandes wechselten in der Winterpause, also während der Wechselperiode II, den Verein. Nicht alle sind im neuen Klub sofort spielberechtigt, denn ein Teil erhielt keine Freigabe vom abgebenden Verein. Diese Kicker wurden vom Bremer Fußballverband automatisch für sechs Monate (gerechnet ab dem letzten Einsatz beim alten Verein) gesperrt. Stefan Freye sprach mit Björn Fecker, dem Präsidenten des Bremer Fußball-Verbandes, über die Situation.
Die Verweigerung der Freigabe führt regelmäßig zu hitzigen Diskussionen. Während die einen finden, die Vereine könnten sich auf diese Weise gegen allzu wechselfreudige Kicker schützen, meinen die anderen, man würde unzulässig in die Freizeitbeschäftigung der Spieler eingreifen. Welche Position nimmt der Verband zu diesem Thema ein?
Björn Fecker: In erster Linie ist der Wechsel eine Angelegenheit zwischen dem Spieler und den beiden Vereinen. Der Bremer Fußballverband mischt sich da nicht ein. Häufig stehen hinter der Verweigerung der Freigabe Gründe, die wir gar nicht beurteilen können. Sie ist immer die alleinige Entscheidung des abgebenden Vereins.
Aber es kann dem Verband ja nicht egal sein, wenn manche Spieler für Monate aus dem Verkehr gezogen werden?
Ich habe Verständnis für beide Seiten: den Fußballer, der gern spielen möchte, und den Verein, der sich auf eine gegebene Zusage beruft. Wir haben als Verband hierbei aber keinen Ermessensspielraum. Es handelt sich um allgemein gültige und bekannte Regelungen des Deutschen Fußballbundes.
Es fällt auf, dass manche Vereine die Freigabe immer verweigern, andere dagegen nie. Das kann doch kaum dem Sinn der Regelungen entsprechen?
Die Beweggründe der Vereine sind in dieser Frage absolut unterschiedlich. Zudem ist der Blickwinkel einiger Vereine auf diese Frage sehr verschieden - je nachdem, ob der Verein einen Spieler aufnimmt oder abgibt. Da kann sich die Haltung zur Freigabe auch schon mal schlagartig ändern.
Kann der Verband dann nicht auf die Vereine einwirken und damit wenigstens eine einheitliche Handhabung fördern?
Da es zur Freigabeverweigerung keiner Begründung bedarf, können wir immer nur appellieren, die sportliche Lösung in den Vordergrund zu stellen. Beim Wechsel im Winter gibt es aber auch das triftige Argument, dass man quasi für eine gesamte Saison eine Zusage erteilt hat und der Verein sich darauf verlässt.
Dann könnte man die Wechselfrist II ja gleich ganz abschaffen.
Die Mehrzahl der Fälle geht doch reibungslos über die Bühne. Es gibt natürlich immer Fälle, wo es nicht passt und ein Wechsel sinnvoll erscheint. Die Entscheidung über die Freigabe obliegt aber eben dem abgebenden Verein. Die entsprechende Klausel hat auch eine Schutzfunktion, damit der Klub im laufenden Spielbetrieb nicht plötzlich ohne Mannschaft dasteht.
Manchmal wirkt die Verweigerung der Freigabe dann wie eine Bestrafung, erscheint zumindest willkürlich oder soll den aufnehmenden Verein zur Zahlung einer "Ablösesumme" zwingen. Das kann es doch eigentlich nicht sein, oder?
Man muss aber nach wie vor die Zusage des Spielers sehen, auf die sich der Verein verlässt. Ansonsten stellt sich die Frage, was eine Zusage heute denn überhaupt noch wert ist. Ob am Ende tatsächlich in einigen Fällen Geld fließt, entzieht sich unserer Kenntnis. Das offizielle "Freikaufen" gemäß der Spielordnung findet in Bremen so gut wie nicht statt.
Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Die Zusagen des Trainers, um einen Spieler zum Verein zu locken. Wenn sich im Saisonverlauf herausstellt, dass man doch ein bisschen anders plant und dem Spieler eine andere Rolle zugedacht wird, etwa die auf der Ersatzbank, dann sind diese Zusagen doch auch nichts mehr wert.
Aber alle Spieler haben die Möglichkeit, sich vom Verein schriftlich die Zusage für einen Vereinswechsel geben zu lassen. Sie können dann auch im Winter problemlos und ohne Sperre wechseln. Denn die schriftliche Erklärung des Vereins ist immer höherwertig als die Verweigerung der Freigabe. Es gibt übrigens mehrere Vereine, die dies ihren Spielern von vornherein anbieten. Ein Teil dieser Klubs sieht das allerdings nur für einen Wechsel im Sommer vor.